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Ein Blick ins Archiv: Jubiläen in kriegerischen Zeiten

Mit Anekdoten, Geschichten und Kuriositäten aus der blau-weißen Historie fiebern wir dem 25. Juli entgegen.

Berlin - Schaut man sich die Geschichte des Fußballs in Europa an, so steht fest: Sie ist im Wesentlichen eine Geschichte des 20. Jahrhunderts, und genau dieses Jahrhundert war von den zwei Weltkriegen von 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 geprägt.
 
Die politischen Entwicklungen ließen den Fußball nicht unberührt. Ein großes Problem war offensichtlich: Spieler meldeten sich freiwillig zur Armee oder wurden eingezogen. Andere Vereinsmitglieder wurden verfolgt und von Vereinen ausgeschlossen. Viele von ihnen kehrten nicht zurück. Der Spielbetrieb konnte häufig nur mit Ersatzspielern aufrecht erhalten werden. Im Zweiten Weltkrieg spielte gar der niederländische Zwangsarbeiter Abraham Appel für Hertha BSC, was diesem zu deutlich höheren Überlebenschancen als vielen anderen Zwangsarbeitern in Berlin verhalf.
 
Da Hertha BSC bekanntlich im Jahre 1892 gegründet wurde, fielen zudem die ersten beiden großen Jubiläen des Hauptstadtclubs in die jeweiligen Weltkriege: Im Jahr 1917 feierte der Verein das 25-Jährige, im Jahr 1942 das 50-Jährige.
 
Beim ersten Jubiläum im Jahr 1917, rund anderthalb Jahre vor Ende des Ersten Weltkriegs, gab der Verein an seine Mitglieder eine Jubiläumspostkarte heraus - für mehr hatte vermutlich das Geld nicht gereicht. Im Verlaufe des Ersten Weltkriegs war der BFC Hertha mehrfach Berliner Kriegsmeister geworden, eines der Mannschaftsfotos aus dieser Zeit zierte die Postkarte.
 
Mitten im Zweiten Weltkrieg veranstaltete Hertha BSC ein mehrwöchiges Jubiläumsturnier anlässlich des 50-jährigen Geburtstages. Internationale Gegner waren zu dieser Zeit wegen des Krieges kaum denkbar, daher traten vor allem Berliner Vereine oberer und unterer Klassen an. Gewonnen hat den Ehrenpreis (Foto) am Ende tatsächlich Hertha BSC selber - in einem Endspiel vor immerhin 16.000 Zuschauern. Im Zweiten Weltkrieg diente Fußball in Deutschland zu Propagandazwecken und als Ablenkung vom Kriegsgeschehen. Der Ehrenpreis steht heute im Hertha-Archiv. Die große Jubiläumsfeier fand am 16. August 1942 in der mittlerweile 'arisierten' Lichtburg am Gesundbrunnen statt - einem großen Vergnügungspalast mit rund 2.000 Kino-Sitzplätzen und diversen Tanz- und Festsälen, wie es für das Berlin vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten typisch gewesen war.
 
Schaut man in die Nachkriegszeit, stellt man fest, dass auch das 75-jährige Jubiläum in einer Art von Krieg stattfand, der jedoch ganz anderer Natur war als die Weltkriege zuvor: 1967 befand die Welt sich auf dem Höhepunkt der Kalten Kriegs zwischen Ost und West, Berlin war bereits seit sechs Jahren durch die Mauer getrennt. Sie sollte erst drei Jahre vor dem 100-jährigen Bestehen von Hertha BSC fallen.

(juli/war)

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