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Ein Blick ins Archiv: Stadionbau

Mit Anekdoten, Geschichten und Kuriositäten aus der blau-weißen Historie fiebern wir dem 25. Juli entgegen.

Berlin - Das ehemalige Machtzentrum der Nationalsozialisten, die Hauptstadt Berlin, war am Ende des Zweiten Weltkriegs an vielen Stellen zerstört. Am 8. Mai 1945 kapitulierte das Deutsche Reich nach einem fast sechs Jahre andauernden Krieg, den es im September 1939 mit dem Angriff auf Polen selbst begonnen hatte. Millionen von Menschen waren ermordet worden, ganze Landstriche vor allem in den von Deutschland besetzten Gebieten samt ihrer Bevölkerung ausgelöscht.

Wiederaufbau der Plumpe

In Deutschland selbst wandte man sich nach Kriegsende relativ zügig dem Wiederaufbau zu - auch im Fußball. Das traditionsreiche Stadion von Hertha BSC, die Plumpe am Gesundbrunnen, war durch den Krieg stark beschädigt: Zerstörte Zuschauerränge, Bombenkrater und eine kaputte Geschäftsstelle waren übrig geblieben. In der Nacht vom 5. auf den 6. Mai 1945 brannte die große Tribüne auf dem Hertha-Platz vollständig aus. Der Verein Hertha BSC wurde, wie fast alle Vereine, im Zuge der Entnazifizierung kurz nach Kriegsende von den Alliierten aufgelöst und erst 1949 wieder zugelassen.

Der langjährige Hertha-Präsident Wilhelm Wernicke erinnerte sich in der Festschrift zum 60. Vereinsjubiläum (1952) an das Kriegsende in Berlin: "Unser Sportplatz war nicht wiederzuerkennen. Tellerminen lagen überall herum und zwangen zur größten Vorsicht. Die Spielfläche hatte über 200 Bombentreffer aufzuweisen und sah wie umgepflügt aus. Hinter dem Uhrenberge türmten sich Mengen von Munition, Gewehren und Uniformstücken. Die toten Soldaten brachten wir zur hinteren Seitentribüne."

Ein Zeugnis vom Wiederaufbau der Plumpe in den Nachkriegsjahren sind die Zeichnungen der zuständigen Architekten Kottmann und Meding, die im Vereinsarchiv liegen. Sie stammen überwiegend aus dem Jahr 1950. Großformatige, handgefertigte Entwürfe von neuen Tribünen, Seitenschnitte und Zeichnungen des zukünftigen Clubhauses finden sich dort. Maßstab: 1:50. Im Dezember 1950 bezog Hertha das Stadion der erfolgreichen 1920er Jahre wieder.

Abriss und Umzug

Lange stand die wiederaufgebaute Plumpe jedoch nicht - 1963 wechselte Hertha ins Olympiastadion. Im Zuge des Bundesliga-Skandals 1971 und der darauffolgenden finanziellen Krise des Vereins verkaufte Hertha BSC schließlich das Plumpe-Gelände an den Senat, der wiederum sprach es als Bauland aus. Im Jahr 1974 wurde die Plumpe endgültig abgerissen. Das für den 22. Oktober 1974 geplante Abschiedsspiel fiel wortwörtlich ins Wasser - der Platz hatte derartig viel Regen abbekommen, dass die Nürnberger Mannschaft, die man als alten Rivalen eingeladen hatte, erst gar nicht anreiste.

Die Zeichnungen im Vereinsarchiv erinnern in ganz besonderer Weise an das alte Hertha-Stadion im Wedding, von dem heutzutage außer einem Denkmal und dem Schild "Fußballspielen verboten!" wenig geblieben ist. Zeitgleich zeugen sie vom schnellen Aufschwung der deutschen Gesellschaft nur wenige Jahre nach Kriegsende, der im oft zitierten "Wirtschaftswunder" der 1950er mündete. Die Verbrechen des Nationalsozialismus waren damals zunächst weitestgehend verdrängt - auch bei Hertha BSC. 

(juli/war)

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