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Ein Blick ins Archiv: Hertha oder nicht Hertha?

Mit Anekdoten, Geschichten und Kuriositäten aus Herthas Historie fiebern wir dem 25. Juli entgegen.

Berlin - Die Spielankündigung auf dem Foto sieht erstmal nicht ungewöhnlich aus: Hertha BSC gegen die Volksmannschaft Langensalza im August 1946 - schön und gut. Bemerkenswert ist jedoch, dass Hertha zu diesem Zeitpunkt offiziell schon fast ein Jahr nicht mehr existierte. In den 125 Jahren Vereinsgeschichte gibt es streng genommen eine rund vierjährige Lücke, war Hertha doch zwischen 1945 und 1949 verboten. Warum?

Verbot nach Ende des Krieges

Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa hatte auch für den Fußball weitreichende Konsequenzen. Am 8. Mai 1945 hatte das Deutsche Reich kapituliert. Die vier alliierten Siegermächte USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion entschieden in der Folgezeit über die weiteren politischen Geschehnisse in den vier Besatzungszonen und sahen sich mit dem Versuch konfrontiert, die deutsche Gesellschaft im Rahmen der Entnazifizierung von den Einflüssen des Nationalsozialismus zu befreien. Dies betraf auch den Sport und damit den Fußball.

Im Oktober 1945 erließen die Alliierten ein Gesetz zur "Auflösung und Liquidierung der Nazi-Organisationen". Zur Zeit des Nationalsozialismus hatte der Deutsche Fußballbund (DFB) sich mit seinen Vereinen bis auf wenige Ausnahmen relativ schnell den neuen Machthabern unterworfen. Jüdische oder politisch unliebsame Vereine waren von den Nationalsozialisten verboten worden. Die übrigen Fußballvereine, darunter Hertha BSC, wurden als ehemalige Mitglieder des DFB später in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen überführt, durch den die NSDAP direkten Einfluss auf den Fußball ausübte. Und genau dieser NS-Reichsbund für Leibesübungen wurde im Oktober 1945, ähnlich wie die NSDAP selbst, als Nazi-Organisation verboten.

Hat sich in die Spielankündigung von 1946 also ein Druckfehler eingeschlichen? Wohl kaum, finden sich doch ähnliche Ankündigungen im Hertha-Archiv, auf Eintrittskarten und Plakaten jener Jahre.

Fußball spielen trotz Verbot

Fußball gespielt wurde trotz Vereinsverboten nämlich auch nach dem Zweiten Weltkrieg. In Berlin wurde der Fußball auf kommunaler Ebene unter Kontrolle der Alliierten und des Berliner Magistrats organisiert. Es bildeten sich sogenannte Sportgruppen, in denen jedoch nur Spieler spielen durften, die in dem entsprechenden Wohnbezirk lebten. Eine dieser Sportgruppen war die SG Gesundbrunnen - im Endeffekt ein Sammelbecken für fast alle ehemaligen Hertha-Spieler, schließlich war der Wedding die Heimat des Vereins und auch vieler seiner Aktiven. Die Mannschaft hätte damals offiziell als SG Gesundbrunnen auftreten müssen, es existieren auch Plakate mit diesem Namen. Dass die SG Gesundbrunnen quasi die Mannschaft von Hertha war, verdeutlicht auch ein Beitrag in den Vereinsnachrichten von 1977, wo es heißt: "Natürlich wußte man, wer hinter dem Namen SG Gesundbrunnen steckte." Es scheint, als ob sich Hertha daher schlichtweg mehrfach über das Verbot hinweggesetzt hat, unter dem alten Namen aufzulaufen, und genau dies tat - schließlich war es eh offensichtlich, welche Spieler da auf dem Platz standen. Offiziell war Hertha BSC erst ab August 1949 wieder als Verein zugelassen.

Mehr Informationen zu Fußball in den Nachkriegsjahren gibt es in der Ausstellung 'Hauptstadtfußball - 125 Hertha BSC & Lokalrivalen', die ab dem 26. Juli im Stadtmuseum Berlin zu sehen ist.

(juli/war)

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