Die Gründerjahre

Über den genauen Ablauf der Gründung des Vereins sind sich die Quellen nicht ganz einig. Fest steht jedenfalls, dass es irgendwo zwischen Arkonaplatz, Vinetaplatz und Stralsunder Straße gewesen sein muss und dass die beiden Gründer 16 und 17 Jahre alt waren. Den Namen „Hertha“ trug ein Dampfer, auf dem einer der Gründer, Fritz Lindner, einige Zeit zuvor mit seinem Vater einen Ausflug auf der Oberspree unternommen hatte. Die ersten Vereinsfarben waren blau-weiß und gelb, wobei gelb kurz darauf wieder verschwand.

Erste Berliner Meisterelf 1905/1906

Für eine Vereinsgründung waren die 16- und 17-jährigen Berliner noch zu jung, und so wurde der 22-jährige Ernst Wisch, der Onkel von Fritz Lindner, gebeten, als Vorsitzender zu fungieren und den Verein auf dem Polizeipräsidium am Molkenmarkt offiziell als „Berliner Fußball Club Hertha 1892“ einzutragen. Bald glaubte Hertha, sich auch mit anderen Vereinen im Wettspiel messen zu können. Aber der Erfolg stellte sich nicht sogleich ein. Zu sehr stand die Geselligkeit im Vordergrund. Rauchclubs, Vergnügungs- und Theatervereine übten eine ungeheure Anziehungskraft auf junge Leute aus. Darunter litt der sportliche Betrieb. Nur wenige blieben dem Fußballspiel treu, die Zahl der Mitglieder war weit unter die Stärke einer Wettspielmannschaft gesunken, die Chronik spricht von vier Mitgliedern. Da spaltete sich der beste Club des Berliner Nordens, Alemannia 1890. Die nach Selbstständigkeit strebende Lehrlingsabteilung trat fast geschlossen zum BFC Hertha 1892 über. Das war in sportlicher Hinsicht ein großer Schritt nach vorn für den jungen Club. Nach kurzer Zeit umfasste der Verein 22 Mitglieder, und als eingetragener Verein war es den Herthanern vergönnt, ihre Spiele auf dem Exerzierplatz („Exer“) an der Schönhauser Allee (heutiger Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark) ausüben zu dürfen.

Berliner Meister 1914/1915

Für die Geselligkeit sorgte der Verein fortan selbst. So trafen sich die Mitglieder jeden Sonntag, ob Spiel oder nicht, zum geselligen Beisammensein in der Gaststätte. Nicht selten wurde die Hälfte aller Monatsausgaben für den Klavierspieler und dessen Bierkonsum aufgewendet. Alle Festlichkeiten wurden fortan gemeinsam gefeiert. Sportlich ging es von nun an bergauf, Hertha sollte bald zum zweitbesten Verein im Berliner Norden neben der Alemannia heranwachsen. Am 13.2.1894 nahm Hertha an der Gründungsversammlung des Thor- und Fussballbundes Berlin teil, doch bereits im November des gleichen Jahres wechselte Hertha zum Deutschen Fußball- und Cricket Bund. Als immer mehr Vereine den DFCB verließen, schloss sich auch Hertha am 27. Oktober 1900 dem Verband Deutscher Ballspielvereine, dem Vorläufer des heutigen Berliner Fußball-Verbandes, an. 1904/05 erfolgte der Umzug vom Exer zum Gesundbrunnen. Hier hatte der Gastwirt Joseph Schebera 1900 einen umzäunten Platz angelegt, doch der zunächst als Pächter gedachte BFC Rapide 93 hatte nicht genügend finanzielle Mittel. So schloss der BFC Hertha 1892 einen Vertrag mit dem Gastwirt. Auf dem Schebera-Platz erwarb sich Hertha ihren treuen Zuschauerstamm. Die Pacht wurde aus den erhöhten Mitgliedsbeiträgen, die im Monat 50 Pfennig betrugen, bezahlt. Die Erlaubnis des Alexander-Regiments, auf dem Exer zu spielen, war nun nicht mehr nötig, und die Torstangen mussten auch nicht mehr auf den Schultern zum Platz getragen werden. 1905/06 wurde Hertha erstmals Berliner Meister. In der anschließenden Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1906 scheiterte der Club im Halbfinale mit 2:3 am VfB Leipzig. Durch Unstimmigkeiten mit Gastwirt Schebera musste Hertha zwischenzeitlich für zwei Jahre 1906/07 und 1907/1908 in Reinickendorf spielen, bevor sie wieder zum Gesundbrunnen zurückkehrte. Es folgten weitere Berliner Meistertitel 1915, 1917 und 1918, eine Endrunde um die Deutsche Meisterschaft gab es während des 1. Weltkrieges aber nicht. Die immer weiter steigende Inflation der Nachkriegszeit machte auch den Sportvereinen zu schaffen. Die Mitgliedsbeiträge konnten gar nicht so schnell erhöht werden, wie der Geldwert verfiel, von dem Unvermögen der meisten Mitglieder, diese Beiträge überhaupt noch aufbringen zu können, ganz zu schweigen. Diese angespannte Situation führte dazu, dass die Pacht für den Platz kaum noch aufgebracht werden konnte. Hertha versuchte den zusammen mit Norden Nordwest 98 genutzten Schebera-Platz zu kaufen. Nach langen Verhandlungen waren jedoch die Unterhändler von N.N.W. schneller und erwarben den Platz für sich. Von einer Minute zur anderen war der B.F.C. Hertha heimatlos geworden und suchte nach einer Lösung, die Vorherrschaft an der Plumpe zurückzugewinnen. Die Lösung sah Hertha in einer Verbindung mit dem Berliner S.C. 95/96. Die Fußballabteilung des Athletikvereins spielte keine allzu große Rolle im Berliner Fußball, doch der Verein war wirtschaftlich gesund und nutzte eine ebenfalls zum Schebera-Gelände gehörige Fläche gegenüber dem Platz von Hertha, die ehemalige „Eisbahn an der Millionenbrücke“, im Sommer als Übungsgelände. Der B.F.C. Hertha 1892 fusionierte schließlich mit dem Berliner S.C. und hieß von nun an offiziell „Hertha B.S.C. – Fußball-Abteilung des Berliner Sport-Clubs e.V.“. Bereits kurz zuvor hatten finanzstarke Mitglieder des Berliner S.C. die „Sportplatz-Bau und Betriebs GmbH“ gegründet, die den Platz an der Millionenbrücke käuflich erwarb, um eine eigene Spielstätte für die neue Fußballabteilung zu schaffen. In der Folge entstand mit dem im Volksmund nur „Plumpe“ genannten Hertha-Platz zwischen Bahngelände, Behmstraße und Bellermannstraße eines der populärsten Fußballstadien Berlins

Geschichte, 22.02.2017